ALTERN AUF DEN KOPF GESTELLT

Weltweit inszenieren sich zunehmend ältere Menschen modisch und selbstbewusst auch in den digitalen Medien. Vor allem auf der Plattform Instagram sind zunehmend „Best-Ager“ vertreten. Die Berliner Günther Krabbenhöft (73) und Britt Kanja (68) haben über 40.000 Instagram-Followern, stechen durch ihre expressive Mode hervor und haben sich Namen in der Berliner Techno- aber auch in der Kunst- und Kulturszene gemacht. Neue Altersbilder sind auf dem Vormarsch!

Während Britt Kanja und Günther Krabbenhöft und ihre Interpretation des Alters in Form eines Instagram-Feeds in der Ausstellung GREY IS THE NEW PINK vertreten sind, zeigt die Ausstellung u.a. mit Fliegenwedeln und Würdestäben aus verschiedenen Gesellschaften in Afrika auch materielle Symbole des Alterns. Sie begleiteten ihre Besitzer bei wichtigen öffentlichen und zeremoniellen Anlässen, unterstrichen Gesten und Worte und symbolisierten die gesellschaftliche Rolle, die Autorität und den Status einer Person, der oftmals mit vorangeschrittenem Alter anstieg.

Auch zahlreiche fotografische Interpretationen finden sich in GREY IS THE NEW PINK: In Osborne Macharias afrofuturistischer Fotoserie „Kabangu“ zitiert der Kenianer charakteristisch kulturelle Symbole wie die Fliegenwedel und Würdestäbe und interpretiert sie neu. Sie werden durch Skatebord und Ghettoblaster ersetzt und es entsteht ein selbstbewusstes und mit einem Augenzwinkern zu betrachtendes Bild von vier Hip-Hoppern mit typisch jugendlichen Attributen.

Im Kontrast dazu zeigt Naama Attias mit „Ain´t Nothing Wrong with being Beautiful“ die Welt der Schönheitswettbewerbe in Texas, bei denen versucht wird, Kinder durch Kleidung und Make-Up möglichst erwachsen darzustellen. Kritisch und ironisch stellen beide Künstler*innen gewohnte Altersbilder auf den Kopf.

Auch in der Installation „Call for Content“, in welcher Einsendungen aus aller Welt zu sehen sind, wird sichtbar, dass Tätowierungen oder pinke Fingernägel längst nicht mehr nur für jüngere Generationen reserviert sind und Kyra Schneider nennt ihre Fotografie passend: „Meine Großmutter ist ein Hipster“.

Im Mai zeigt zusätzlich die Aktionswoche „Altersbilder neu erleben“, wie sich Altern als Lebensstil ausdrücken lässt. Neben einer gemeinsamen dichterischen Performance zwischen Poetry Slammern und Seniorpoet oder Künstler*innengespräch wird die Ausstellung durch eine weitere Ausdrucksweise ergänzt: In Tanzworkshop und Tanzführung interpretieren ältere Tänzer*innen die Ausstellung neu und repräsentieren die Objekte - im Dialog mit ihren persönlichen Erfahrungen - in Bewegungen.