WAS SEHE ICH?

Über die Holzskulptur auf dem Plakat zur Ausstellung „WELTENBEWEGEND. Migration macht Geschichten“ (ab 23. Oktober)

Mit der zunehmenden Expansion Europas, die schließlich im Kolonialismus gipfelte, verbreiteten und zementierten sich stereotype und rassistische Bilder von Afrikanern, die auch heute noch fortwirken. Zeitgleich entstanden auch Bilder von Europäern, die einen deutlichen Gegenentwurf darstellen: Die Figur eines unbekannten Künstlers aus Angola vom Ende des 19. Jahrhunderts zeigt einen Mann in europäischer Kleidung mit Spazierstock und Strohhut. Diese und ähnliche Darstellungen interpretierte der deutsche Ethnologe und Soziologe Julius Lips in seinem wegweisenden Buch „The Savage Hits Back or the White Man through Native Eyes“ von 1937 als satirische Kritik an den Europäern und unterstrich damit die subversive Handlungsfähigkeit der Kolonisierten. Neben Lips‘ Interpretation eines Europäers könnte es sich auch um die Darstellung eines sogenannten Ambaquista handeln, der teils portugiesische Vorfahren hatte und einer Gesellschaft von einflussreichen Händlern und Mittelsmännern angehörte. Da sich ein touristisches Interesse an den Skulpturen entwickelte, wurden sie auch gezielt für den westlichen Markt produziert.

Julia Friedel, Afrika-Kustodin

Mehr zur Ausstellung erfahren Sie hier. Warum das Plakat im Museum für Diskussion sorgte, ist im Oktober in unserer neuen Zeitung „Weltkulturen News“ nachzulesen.