„WOMEN ARE BLESSED, WOMEN ARE COMPLETE, WOMEN ARE BEAUTIFUL”

In blauen Großbuchstaben steht dieser Schriftzug auf einem Plakat des Anishinabe-Künstlers Leland Bell in der Ausstellung „PLAKATIERT! Reflexionen des indigenen Nordamerika“. Seine Gemälde zeigen stilisierte menschliche Figuren, die Themen wie Pflege, Teilen, Lernen, Frieden und Gelassenheit aufgreifen. In der Ausstellung ist sein Plakat nur eines unter vielen, in welchen Indigene das Medium nutzen, um Aufforderungen zu formulieren, den Wert indigener Frauen anzuerkennen, während sie gleichzeitig bis heute bestehende Missstände aufzeigen.

FRAUEN UND MYTHOLOGIE

In vorkolonialer Zeit bestand zwischen mythischen Legenden und dem realen Leben im indigenen Nordamerika eine enge Verbindung: Eine wesentliche Grundlage bildete die gleichberechtigte Stellung von Männern und Frauen in der Gesellschaft. Frauen wurden in allen indigenen Stämmen Nordamerikas nicht nur geachtet, sondern man schrieb ihnen eine besondere Macht in der Gesellschaft zu. Laut dem Schöpfungsmythos der Navajo etwa können nur das Männliche und das Weibliche gemeinsam das Universum im Gleichgewicht halten.

Um das Überleben zu sichern, mussten in vorkolonialer Zeit  beide Geschlechter gleichermaßen ‚mit anpacken‘ und waren aufeinander angewiesen. Die geschlechterspezifische Arbeitsteilung trennte die Arbeitsbereiche von Männern und Frauen. Die Vorstellung eines ‚überlegenen‘ männlichen Geschlechts kam erst mit Ankunft der Europäer auf und mündete in Gewalt gegen Frauen. Die positive Einstellung gegenüber Frauen wurde durch die Kolonialisierung ebenso geschwächt wie die indigene Identität insgesamt. Die heutige Zuerkennung von Macht an indigene Frauen ist somit auch ein kleiner Schritt, die eigene indigene Identität wiederzuerlangen.

In mythischen Überlieferungen der Lakota zeigt sich: Frauen wurden hier in voreuropäischer Zeit hoch respektiert und nahmen eine wichtige gesellschaftliche Stellung ein. Zwei dieser mythischen Frauenfiguren sind White Buffalo Calf Woman und Double Face Woman. In PLAKATIERT! sind ihre Geschichten auf den wunderschönen Plakaten des Lakota-Künstlers Vic Runnels nachzulesen, einem der bekanntesten Lakota-Künstler des 20. Jahrhunderts.

„WHY SHOULD ANY INDIAN WOMAN HAVE TO BLEACH HER HAIR TO BE ACCEPTED?“

Die indigene Philanthropin und Sängerin Buffy Saint-Marie bringt mit einem einzigen Satz - zu lesen auf der Reproduktion eines von Betty Hunter aufgenommenen Fotos - die heutigen schwierigen Lebensumstände indigener Frauen innerhalb der Nationalgesellschaft auf den Punkt: „Why should any Indian woman have to bleach her hair to be accepted?“ Sie werden im Vergleich zu weißen Frauen institutionell benachteiligt und außerdem häufiger Opfer von Gewaltverbrechen. Auch durch den Einfluss europäischer Schönheitsideale wie helles Haar wurde die Identität Indigener geschwächt und die Stellung der Frau in Orientierung an europäischen Rollenmodellen abgewandelt.

PLAKATIERT!

Kuratiert vom Ethnologen Markus Lindner und Studierenden der Goethe-Universität Frankfurt finden sich in der Ausstellung PLAKATIERT! unterschiedlichste Versuche, durch Plakatkunst an Wänden und Litfaßsäulen indigene Lebenswelten darzustellen und Diskriminierung anzuprangern.

Bekommt einen Einblick in ihre Recherchen auf Instagram und lasst euch in einer Führung von den Studierenden die Geschichten der Plakate erzählen!