Handlungsraum Museum - Künstlerisch-ästhetische Praxis und Demenz

„Handlungsraum Museum“ ist ein Vermittlungsprojekt für Menschen mit Demenz des Weltkulturen Museums in Zusammenarbeit mit dem Alten- und Pflegeheim Anlagenring in Frankfurt/Main.

Das Projekt, geleitet von den beiden Frankfurter Künstlerinnen Claudia Gaida und Silke Wagner, fördert die Teilnahme von Menschen mit Demenz am kulturellen Leben in Frankfurt unter Berücksichtigung ihrer jeweiligen Möglichkeiten und Interessen. Der gemeinsamen künstlerisch-ästhetischen Praxis mit den Teilnehmer*innen liegt das Selbstverständnis zugrunde, Demenz dabei nicht primär als Defizit oder Makel zu sehen, sondern als alternative Lebensform von eigenem Wert, die verschiedenen Entwicklungsstadien unterliegt. Mit der Kunsttherapie kann in diesen Entwicklungsstadien wertvolle Unterstützung angeboten werden.

Das Projekt war auf ein Jahr bestehend aus zwei Semestern à 20 Treffen angelegt. Projektbeginn war am 1. Februar 2017. Während der Semester fanden wöchentlich zweistündige Workshops statt. An einem Termin im Monat kamen die Teilnehmer*innen ins Museum, besprachen ausgewählte Objekte und Themen und arbeiteten direkt in der Ausstellung.

Der lange Zeitrahmen ist ein wichtiger Faktor des Projekts. Trotz fehlendem Kurzzeit-gedächtnis und fortschreitender Demenz, entwickelt sich so eine Vertrautheit und ein Wiedererkennen, welches das Wohlbefinden und die Sicherheit innerhalb der Gruppe fördert und damit ein vertrauensvolles Zusammenarbeiten erst ermöglicht.   

Durch die Auseinandersetzung mit (Kunst-)Objekten und die eigene kreative Tätigkeit werden die noch vorhandenen Fähigkeiten der Menschen mit Demenz geweckt und gefördert. Dadurch können sie ihren individuellen Zugang zu Erinnerungen, zu Gefühlen und Kreativität finden.

Führungen und Workshops im Weltkulturen Museum
Die monatlichen Führungen im Museum waren dialogisch angelegt. Während der Führungen durch die jeweils aktuelle Ausstellung wurden Anknüpfungspunkte an biografische Aspekte wie z.B. Familie, Kinder, Essen, Herkunft, Berufe und Reisen dialogisch erörtert, die in der Workshop-Phase über haptische Wahrnehmung von Materialen vertieft werden konnten. Hierfür standen den Teilnehmer*innen die Bildungssammlung zum Anfassen mit mehr als 2.000 Objekten aus verschiedenen Ländern zur Verfügung.

Kreative Workshops im Alten- und Pflegeheim
Im Alten- und Pflegeheim arbeitete die Gruppe an jeweils drei Terminen im Monat. Zu diesen Terminen wurden Anschauungsmaterialien in Form von Fotos oder Katalogen und Objekten zum Anfassen aus der Bildungssammlung des Weltkulturen Museums mitgebracht. In Anlehnung an die jeweilige Ausstellung des Weltkulturen Museums wurden Techniken ausgeführt, die aus dem kreativen Repertoire schöpften, aber auch auf die individuellen Bedürfnisse angepasst werden konnten.

Abschluss des Projektes
Das Projekt schließt Ende Januar mit kleinen Präsentationen der entstandenen Arbeiten im Alten- und Pflegeheim Anlagenring und im Weltkulturen Museum ab. Zudem entstand eine 20-teilige Postkartenedition, die das Projekt und die Arbeiten der Teilnehmer*innen dokumentiert.

"Handlungsraum Museum" wurde durch den Stiftungsfonds Diadem gefördert.

Künstlerische Leitung:
Claudia Gaida studierte Freie Grafik und Interdisziplinäre Kunst an der Städelschule - Staatliche Hochschule für Bildende Künste, sowie Philosophie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt/Main. Sie hat einen Lehrauftrag im Bereich Kreative Medien und Sozialpädagogik, Internationale Berufsakademie Darmstadt und Heidelberg sowie am Pädagogischen Zentrum der Bistümer im Lande Hessen. Seit 2004 Lehrveranstaltungen und partizipatorische Projekte mit den Schwerpunkten Philosophie und sozial - ästhetische Grundlagen in Praxis und Theorie, Städel Museum, Frankfurt a.M. 2014 absolvierte sie die Kunsttherapeutische Ausbildung „Arbeiten mit Patienten mit Demenz“ am Institut für Allgemeinmedizin der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt/Main.

Silke Wagner
Vier Jahre nach dem Abschluss ihrer Krankenpflegeausbildung am Bürgerhospital, Stuttgart absolvierte sie 2001 ein Studium in Freie Grafik an der Städelschule - Staatliche Hochschule für Bildende Künste, Frankfurt/Main. 2007 wurde ihr der Maria Sybilla Merian-Preis vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst verliehen. Neben Ihrer Tätigkeit als Mitarbeiterin im Bereich der Druckwerkstätten als Kursleiterin für Photoshop, Siebdruck und Lithographie an der Städelschule Frankfurt/Main macht sie seit 2012 Alltagsbegleitung für demenzkranke Bewohner der AGAPLESION Wohnen & Pflegen im Schwanthaler Carrée und seit 2014 auch für das Alten- und Pflegeheim Anlagenring Frankfurt/Main.

Projektleitung:
Stephanie Endter, Kustodin Bildung und Vermittlung Weltkulturen Museum

Projektassistenz:
Rosa Aumiller und Aiden Gölzhäuser, FSJ Kultur Weltkulturen Museum

Der Stiftungsfonds DiaDem ist ein Stiftungsfonds der in Frankfurt ansässigen Stiftung Diakonie Hessen. Der Fonds steht unter dem Leitspruch „Würde bewahren trotz Demenz“ und zielt auf die Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit Demenz. Bisher konnten 90 Projekte mit einem Volumen von über 847.000 € unterstützen werden.

Die Stiftung Diakonie Hessen wurde 2005 mit einem Stiftungskapital von 250.000 Euro in Hessen und Nassau gegründet und 2013 auf das Gebiet von Kurhessen-Waldeck ausgeweitet wurde. Das aktuelle Stiftungskapital beläuft sich auf  7,66 Mio. Euro. Seit Gründung wurden diakonische Projekte mit einem Gesamtbetrag von über 2,48 Mio. Euro unterstützt.  Die Stiftung Diakonie Hessen betreut vier Stiftungsfonds und derzeit 21 regionale Unterstiftungen, die treuhänderisch verwaltet werden.