Provenienzforschung im Weltkulturen Museum

Provenienzforschung ist ein wichtiger Bestandteil der Arbeit des Weltkulturen Museums: 2004 veröffentlichte der Ethnologe Hans Voges im Ausstellungskatalog „Ansichtssachen“ eine Forschung über die Situation des Museums während der NS-Zeit. In der Ausstellung „Ware und Wissen“ (2014/2015) wurde koloniales Sammeln kritisch reflektiert. Derzeit forscht der Kustos der Abteilung Ozeanien Matthias Claudius Hofmann zu einer kolonialzeitlichen Sammlung aus Nordost-Neuguinea, die von einem Techniker der Neuendettelsauer Mission 1904/05 gesammelt und 1906 vom Museum erworben wurde. Der wissenschaftliche Volontär Arno Holl arbeitet an der Sammlung von Borys Malkin, einem polnisch-amerikanischen Ethnologen und Insektenforscher, der Mitte des 20. Jahrhunderts bei verschiedenen indigenen Gruppen Südamerikas gesammelt hat.

Im Rahmen der Ausstellung „GESAMMELT. GEKAUFT. GERAUBT? Fallbeispiele aus kolonialem und nationalsozialistischem Kontext“ (16.8.2018-27.01.2019) widmet sich das Weltkulturen Museum der Aufarbeitung ausgewählter Objektbiografien. Seit 2017 untersuchten die Kuratorinnen Julia Friedel (Kustodin Afrika) und Vanessa von Gliszczynski (Kunstodin Südostasien) Objekte, die während der Kolonialzeit und der Zeit des Nationalsozialismus in die Sammlung des Museums gelangten. Die Objektgeschichten machen deutlich, wie wichtig eine langfristige Auseinandersetzung mit der eigenen Sammlung ist. Gleichzeitig wird klar, dass man bei der Aufarbeitung der Provenienzen oft an Grenzen stößt und sich nicht immer alle Zusammenhänge rekonstruieren lassen.

Das Weltkulturen Museum beabsichtigt daher, die Forschung an diesen und weiteren Sammlungsobjekten zu intensivieren und international auszuweiten. Dieses Unterfangen setzt allerdings zusätzliche personelle und finanzielle Mittel voraus. Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste hat angekündigt, eine Projektförderung im Umgang mit Kulturgütern aus kolonialem Kontext zu entwickeln. Das Weltkulturen Museum plant, dort Mittel zu beantragen, um langfristige Projekte zur Provenienzforschung an der eigenen Sammlung durchzuführen.