Die Sammlung Visuelle Anthropologie

Kustodin der Abteilung: Alice Pawlik

Die Sammlung des Weltkulturen Museums umfasst auch einen umfangreichen Bestand an ethnografischen Fotografien und Filmen, der seit der Gründung im Jahre 1987 durch Schenkungen, Nachlässe, aber vor allem durch kontinuierliche Ankäufe von Wissenschaftlern, Fotografen, Journalisten und Reisenden systematisch aufgebaut wurde.

Frühste Fotografien waren Aufnahmen des Museumsgründers Dr. Bernhard Hagen, die 1905 während der ersten Expedition des damaligen Frankfurter Völkerkundemuseums auf Sumatra entstanden sind.

Auch spätere Forschungs- und Sammelreisen, wie beispielsweise die von Ernst Vatter geleitete Expedition im Jahre 1928 zu den Kleinen Sunda-Inseln wurden fotografisch dokumentiert.

Zudem konnte eine bemerkenswerte Sammlung von Missionsbildern aus Afrika, Indonesien und Papua Neuguinea in Kooperation mit dem Missionsorden SVD, Steyl und dem Anthropos Institut in Sankt Augustin aufgebaut werden.

Durch eine weitere Kooperation mit dem Archiv der Jesuiten aus Bonn konnte die Sammlung der Missionsbilder erweitert werden.

Den Schwerpunkt der Sammlung Visuelle Anthropologie bilden jedoch die Dia- und Fotografie der 60er-, 70er- und 80er-Jahre, die durch das Museum von Wissenschaftlern, Fotografen, Journalisten und Reisenden nach speziellen thematischen Kriterien angekauft wurden.

Die Bandbreite der Darstellungen ist groß und reicht von landeskundlichen Aufnahmen, über historische und archäologische Stätten, bis hin zu speziellen Themen, wie beispielsweise Initiationsriten, Feste und Tänze, handwerkliche Verarbeitungen oder Umweltzerstörung.

Des Weiteren stellt das Film- und Fotowerk Hermann Schlenkers, eine der umfangreichsten Sammlungen dar. Er war mehr als 30 Jahre lang als Fotograf und Kameramann für das Institut für den wissenschaftlichen Film in Göttingen und für die International Film Foundation in New York in fast allen Regionen der Welt tätig.

Neben den wissenschaftlichen, thematischen Sammlungsankäufen wurde der Bestand durch zahlreiche private Schenkungen von Fotografie- und Diasammlungen bereichert, wie beispielsweise die Sammlung von Rudolf G. Baumann, der als Kaufmann zwischen 1888 und 1930 nach Asien reiste. Bei seinen mehrjährigen Aufenthalten entstanden über 1.000 Aufnahmen.

Auch die Sammlung der Journalistin, Schriftstellerin und Weltenbummlerin Milli Bau bereichert den visuellen Bestand. Mehrere Tausend Dias, Negative und Fotoabzüge dokumentieren Baus Reisen in den 50er- und 60er-Jahren in fast alle Regionen der Welt.

Bis heute ist die Sammlung auf etwa 100.000 Bilder, bestehend aus Dias, Fotoabzügen, Negativen, älteren Glasstereodias, digitalen Bildern, aber auch Zeichnungen und Postkarten, angewachsen. Hinzu kommen noch etwa 550 ethnografische Filme.

In der Verschiedenheit der archivierten Bildmaterialien spiegelt sich inzwischen über 100 Jahre ethnographische Fotogeschichte wider. Es bietet die Möglichkeiten des wissenschaftlichen Forschens, des künstlerischen Bearbeitens aber auch der Selbstreflexiven Auseinandersetzung mit dem Fach Ethnologie.