Repatriierung eines Toi Moko an das Museum of New Zealand Te Papa Tongarewa
Im Mai 2011 übergaben Mitarbeiter:innen des Weltkulturen Museums im Rahmen einer nicht-öffentlichen Zeremonie einen Toi Moko, - einen mumifizierten tätowierten Kopf eines Māori-Mannes - an eine Delegation des Museum of New Zealand Te Papa Tongarewa. Die Zeremonie fand auf Wunsch der neuseeländischen Delegation unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.
Seit 2003 führt das Te Papa Museum im Auftrag der neuseeländischen Regierung und in enger Zusammenarbeit mit Māori-Vertreter:innen das „Karanga Aotearoa Repatriation Programme“ durch. Dieses Programm dient der Rückführung menschlicher Überreste, insbesondere von Toi Moko, aus Sammlungen im In- und Ausland. 2008 ging eine offizielle Rückgabeforderung beim Weltkulturen Museum ein. Diese wurde im folgenden Jahr vom Kulturamt der Stadt Frankfurt befürwortet, woraufhin das Weltkulturen Museum den Rückgabeprozess einleitete.
Provenienz und kulturelle Kontexte
Den Toi Moko erwarb das damalige Völkermuseum der Stadt Frankfurt um 1909 bei der Hamburger Handelsfirma J.F.G. Umlauff für den Kaufpreis von 1000 Goldmark. Welchen Weg der Toi Moko aus Neuseeland in den europäischen Kunsthandel nahm, ließ sich bisher nicht rekonstruieren. Hinweise auf Vorbesitzer:innen, Sammler:innen oder die konkreten Erwerbsumstände sowie die genaue Herkunft in Neuseeland sind dem Museum nicht bekannt.
Historische Quellen aus dem 18. und 19. Jahrhundert verweisen auf die Bedeutung von Toi Moko als Teil der Ahnenverehrung sowie der Würdigung verstorbener hoch angesehener Angehöriger. Das Tatauieren (Tätowieren) des Gesichts, das für Toi Moko charakteristisch ist, war Adligen und hochgestellten Männern und Frauen vorbehalten. Das Moko hatte einen sakralen Charakter und stand für die spirituelle Kraft, das Mana, der jeweiligen Person. Die rituelle Aufbewahrung mumifizierter Köpfe war mit der Vorstellung verbunden, die Kraft der Ahnen zu bewahren und für die Gemeinschaft nutzbar zu machen. In Europa erregten die Muster der Tätowierungen Aufmerksamkeit und sie gelangten als „Kuriositäten“ über den Kunsthandel in europäische Museen. Es entstand ein reger Handel, der während der „Musketenkriege“ (zwischen Māori-Gruppen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts) seinen Höhepunkt erreichte. Für einige Maori bot der Handel mit Toi Moko die Möglichkeit in den Besitz von europäischen Feuerwaffen zu gelangen. Bereits in der vorkolonialen Zeit wurden während kriegerischer Auseinandersetzungen verschiedener Māori-Gruppen auch die Köpfe getöteter Gegner mumifiziert und als Kriegstrophäen gezeigt. Bei Friedensschluss wurden diese Köpfe zwischen den Konfliktparteien ausgetauscht. Im Kontakt mit europäischen Händler:innen wurden in der Regel nicht die Köpfe der eigenen Ahnen eingetauscht, sondern die im Krieg erbeuteten Köpfe getöteter Feinde. Auch versklavte Angehörige verfeindeter Gruppen tatauierte man, um sie anschließend zu töten und ihre Köpfe zu verkaufen. 1831 wurde der Handel mit Toi Moko durch das Engagement des Missionars Samuel Marsden gesetzlich verboten.
Weitere Forschung und Rückführung in Neuseeland
Für die im Rahmen des Karanga Aotearoa Repatriation Programmes nach Neuseeland repatriierten Toi Moko wurde im Te Papa Museum ein Wahi Tapu (ein geweihter Aufbewahrungsort) eingerichtet. Hier verbleiben die Toi Moko bis ihre genaue Herkunft („iwi“t) innerhalb Neuseelands erforscht ist und sie an ihre Gemeinschaften zurückgegeben werden können. Erst durch diese endgültige Rückkehr erlangen (im Glauben der Māori) die Ahnen sowie ihre lebenden Nachkommen ihre Würde zurück.
