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Tomi Bartole

Im Rahmen der Ausstellung „GRÜNER HIMMEL, BLAUES GRAS. Farben ordnen Welten“ war der Ethnologe und Co-Kurator der Ausstellung Tomi Bartole wiederholt zu Gast im Weltkulturen Museum.

Im Jahr 2019 reiste der Ethnologe Tomi Bartole in das Dorf Avim in der Provinz East Sepik in Papua-Neuguinea. Nachdem er sich dort bereits 2013–2014 für eine ethnologische Feldforschung aufgehalten hatte, wollte er seine Forschungen zu Politik und Religion vertiefen. Als neuer Schwerpunkt kam die Auseinandersetzung mit Kunst hinzu: Bartole kehrte mit 18 Acrylmalereien auf Papier, die er bei elf Künstlern vor Ort in Auftrag gegeben hatte, nach Europa zurück.

Mehrere dieser Werke sind derzeit in der Ausstellung „GRÜNER HIMMEL, BLAUES GRAS. Farben ordnen Welten.“ zu sehen – gemeinsam mit Sago-Palmblattmalereien aus der Sammlung des Weltkulturen Museums, die der Ethnologe Eike Haberland bereits 1961 in Avim sammelte. Diese Malereien auf Palmblattscheide dienten der Ausgestaltung des Männerhauses und sind eindrucksvolles Zeugnis einer Kunsttradition außerhalb einer europäischen Kunstgeschichte.


Nach einem ersten Treffen mit Bartole im Dezember 2019 entstand die Idee, die Malereien der Avim im Rahmen der damals noch in einer sehr frühen Phase der Planung befindlichen neuen Ausstellung, die später „GRÜNER HIMMEL, BLAUES GRAS“ werden sollte, zu präsentieren und gemeinsam mit Bartole als Co-Kurator die Bedeutungen der Malereien sowie die dahinterstehende Geschichte von Beziehungen zu erforschen und für die Ausstellung thematisch zu entwickeln.

Die 18 von Bartole 2019 erworbenen Acrylmalereien wurden im Zusammenhang des Ausstellungsprojekts 2020 vom Weltkulturen Museum mit einer umfangreichen Dokumentation vom Sammler für die Ozeanien Abteilung erworben und ergänzen die von 1961 stammende Sammlung von Bildwerken der Avim.

Sowohl die historischen als auch die zeitgenössischen Malereien zeigen mythische Motive und erzählen von der Geschichte der Avim, werden von diesen zugleich aber auch selbst als Geister angesehen. Durch die Malerei und deren wirkmächtige Farben geben die Avim ihr sakrales Wissen an die nächste Generation weiter. Die Werke machen sichtbar, dass trotz jahrzehntelanger Missionierung und kulturellen Wandels die ästhetischen Konzepte und mythischen Motive der vorchristlichen Zeit noch immer bewahrt werden und in den Malereien bildgewaltigen Ausdruck erfahren.

   

Doch noch mehr verbindet beide Sammlungen: Fotos der historischen Malereien auf Palmblattscheide fanden bereits 2011 ihren Weg von Frankfurt nach Avim und waren dort Vorlage für den gemeinsamen Arbeitsprozess, aus dem die 18 neuen Gemälde hervorgingen.

Aufgrund der pandemiebedingten Einreisebeschränkungen war es Bartole leider nicht möglich wie ursprünglich geplant im März 2021 während des Ausstellungsaufbaus aus England einzureisen.

Erst 6 Monate später war es Bartole möglich die Ausstellung und die mit ihm konzipierten Räume mit den Bildwerken der Avim im Weltkulturen Museum vor Ort zu sehen.

Gemeinsam mit Ozeanien Kustos Matthias Claudius Hofmann wurde überdies die gemeinsame Forschung über die Malereien der Avim und Dokumentation der Bildwerke fortgesetzt, die bereits während der Ausstellungsvorbereitungen 2020 begonnen wurde.


Zum Abschluss seines Aufenthaltes im September 2021 fand noch ein Kuratorengespräch mit Bartole und Hofmann in der Ausstellung „GRÜNER HIMMEL, BLAUES GRAS“ statt, in dem die Kuratoren über den Herstellungsprozess der Malereien während Bartoles Feldforschung und die Zusammenarbeit und gemeinsame Entwicklung des Themas in der Ausstellung sowie über die bis 1961 zurückreichende Geschichte der Beziehungen zwischen den Avim und dem Weltkulturen Museum sprachen, die durch dieses Projekt über Tomi Bartole wiederbelebt wurden. 

Dr. Tomi Bartole ist Ethnologe und führte 2013/2014 sowie 2019 Feldforschungen bei den Avim in Papua-Neuguinea durch. Seine Forschungsinteressen liegen auf Ritualen sowie religions- und politikethnologischen Themen.


Tomi Bartole im Interview mit den Weltkulturen News: 


Mehr über die Malerei der Avim können Sie in unserem Blog lesen:



Zur Ausstellung: