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Wanjina Wunggurr Traditional Owners, Nordwestaustralien

Im November 2023 waren Leah Umbagai und Pete O'Connor von der Dambimangari Aboriginal Corporation sowie Rona Charles und Lloyd Nulgit von der Wilinggin Aboriginal Corporation, begleitet von der australischen Ethnologin Kim Doohan zu Gast im Weltkulturen Museum.

Zur Vorbereitung der ab November 2024 im Weltkulturen Museum zu sehenden Ausstellung „Country bin pull'em“ befassten sie sich gemeinsam mit Richard Kuba und Christina Henneke vom Frobenius-Institut sowie Matthias Claudius Hofmann (Kustos der Abteilung Ozeanien) und Isabel Kreuder (wissenschaftliche Volontärin Ozeanien) mit den Sammlungen der Frobenius-Expedition von 1938. Die Gruppe besuchte die Archive und Depots in Frankfurt. Sie tauschten sich intensiv zu Bedeutung und Einordnung von Archivmaterialien und Sammlungen, wie den Felsbildkopien, Porträts und Fotografien im Frobenius-Institut sowie zu den Objekten materieller Kultur im Weltkulturen Museum aus.

Im Mittelpunkt des Ausstellungsprojekts steht die historische Expedition des Frobenius-Instituts in die Kimberley-Region Nordwestaustraliens in den Jahren 1938/39 und die Relevanz der dort gesammelten Archivalien und Sammlungen für die Indigenen Gemeinschaften heute. Während des dreiwöchigen Aufenthalts in Frankfurt wurden Indigene Perspektiven auf die Expedition diskutiert und neue Kunstwerke in Auseinandersetzung mit den Sammlungen im Frobenius-Institut und Weltkulturen Museum geschaffen. Diese wurden für das Museum angekauft und sind ab November in der gemeinsam kuratierten Ausstellung „Country bin pull'em“ zu sehen.


Leah Umbagai
Leah Umbagai ist eine Woddordda-Älteste, die 1974 geboren wurde und in der Mowanjum Community nahe Derby in Westaustralien lebt. Umbagais traditionelles „Country“ liegt nördlich von Derby, wo sie zusammen mit ihrer Familie und der Wanjina-Wunggurr-Gemeinschaft „Homelands“ (Siedlungen auf traditionellem Land) errichtet hat, mit dem Ziel, in Zukunft dauerhaft in dem Gebiet ihrer Vorfahren zu leben.

Die national wie international anerkannte Künstlerin engagiert sich für den Erhalt der Woddordda Sprache sowie die kulturelle Bildung und Unterstützung von Indigenen Kindern und Jugendlichen ihrer Community. Im Alter von nur 20 Jahren wurde sie mit dem angesehenen Marlene Bruce Art Award für Indigene Kunst der Kimberley ausgezeichnet. Im Jahr 2011 wurde sie als Jugendvertreterin in die Western Australia Women's Hall of Fame aufgenommen.

Umbagai hatte das Privileg, eng mit erfahrenen Männern und Frauen ihrer Gemeinschaft aufzuwachsen, die ihr Talent und ihre Leidenschaft für das Leben auf dem „Country“ früh erkannten und ihre kulturellen Ausdrucksformen förderten. Ihre Fähigkeiten und ihr Wissen brachte sie in das langjährige Community-Projekt „Dambimangari Future Generations Living Culture Project“ ein, das in der Veröffentlichung des Buches „Barddabardda Wodjoonangorddee“ (2017) und in anderen kulturell sensiblen Publikationen der Wanjina-Wunggurr-Gemeinschaft mündete.

Ihr großes kulturelles Wissen sowie ihre nuancierte und leidenschaftliche Art bringt sie auch in das gemeinsame Ausstellungsprojekt „Country bin pull'em“ ein.



 

 

Rona Googninda Charles
Rona Googninda Charles ist eine Sängerin, Tänzerin, Kulturvermittlerin und -beraterin, Multimedia-Künstlerin sowie Forscherin der Ngarinyin und Nyikina (First Nations der westaustralischen Kimberley-Region).
Sie ist Vorsitzende des Kunst- und Kulturzentrums Mowanjum Artists Spirit of the Wandjina Aboriginal Corporation und Rangerin für Umwelt und Kulturerbe.
Charles setzt sich für die Rechte, die Sprache und die Kultur der Wanjina-Wungurr sowie der Nyikina Gemeinschaften ein und ist Mitverfasserin mehrerer Publikationen zu den Themen Nachhaltigkeit in der Musik, Forschungszusammenarbeit und Ethik.

 


Kim Doohan
Dr. Kim Doohan ist Ethnologin, Humangeografin und unabhängige Beraterin. Seit über 35 Jahren arbeitet sie in Projekten mit Indigenen Gemeinschaften Nordwestaustraliens, zumeist basierend auf dekolonisierenden und partizipatorischen Methoden. Der Kern ihrer Forschungsarbeit besteht darin, mit den Traditional Owners in deren „Country“, das Land- und Seegebiet ihrer Ahnen zu bereisen und die Erlangung Indigener Rechte an dem traditionellen Land geltend zu machen. Darüber hinaus unterstützt und berät sie bei Verhandlungen über Extraktions- und Bergbauabkommen, Kartierungsprojekten sowie dem Schutz von kulturelle Stätten. Die Indigenen Gemeinschaften beziehen Doohan außerdem regelmäßig im Rahmen von Entwicklungs- und Planungsprozessen sowie für die Aufzeichnung und Präsentation lokaler indigener Familiengeschichten und ethnografischer Aufzeichnungen ein. In den letzten zehn Jahren richtete sie ihr Engagement darauf, Traditional Owners bei der Erstellung einer Reihe von privaten und öffentlichen Materialien für künftige Generationen der Wanjina Wunggurr zu unterstützen und das Wissen der Ältesten zu sichern.
In jüngster Zeit hat Doohan mit den Menschen der Wanjina Wunggurr Community, dem Frobenius-Institut, dem Weltkulturen Museum und dem Museum Fünf-Kontinente sowie der University of Western Australia zusammengearbeitet. Ein Ergebnis dieses Projekts ist die gemeinsame Ausstellung „Country bin pull'em“.




Gruppenfoto
Hinten von links nach rechts: Matthias Claudius Hofmann, Richard Kuba, Lloyd Nulgit, Pete O'Connor
Vorne von links nach rechts: Isabel Kreuder, Eva Raabe, Kim Doohan, Leah Umbagai, Rona Charles, Christina Henneke