Die Sammlung Südostasien

Kustodin der Abteilung: Vanessa von Gliszczynski

Der regionale Schwerpunkt der Südostasien-Sammlung ist das heutige Indonesien mit seinen vielfältigen lokalen kulturellen Ausprägungen. Schon seit der Museumsgründung im Jahr 1904 spielte Indonesien eine zentrale Rolle, da Bernhard Hagen – der erste Direktor des Museums – von 1879 bis 1896 als Arzt auf der westindonesischen Inseln Sumatra gewirkt hatte. Seine erste Forschungsreise führte Hagen bereits 1905 erneut nach Südsumatra in die Sultansstadt Palembang und zu der benachbarten Volksgruppe der Kubu. In den folgenden Jahren wurden die Indonesien-Sammlung systematisch durch Ankäufe und Forschungsreisen erweitert und umfasst heute rund 9.000 Objekte. Ungewöhnlich dabei ist, dass über 50 Prozent der Objekte aus Ostindonesien stammen, während die bei uns besser bekannten Kulturen und Inseln wie Java, Bali und Borneo nur wenig vertreten sind.

Diese historische Sammlungsstruktur kam durch mehrere, teils naturwissenschaftlich motivierte Forschungsreisen zustande. So reiste der Geograph Johannes Elbert 1909 bis 1910 im Auftrag des damaligen Frankfurter Vereins für Geographie und Statistik nach Ostindonesien, wobei er im Auftrag von Bernhard Hagen auch über 1.200 ethnographische Objekte sammelte. Die Forschungsreise führte ihn u. a. nach Südost-Sulawesi, Buton, Muna aber auch nach Sumba und Wetar. Damit legte Elbert den Grundstein für die Ostindonesien-Sammlung des Museums.
Schon kurz darauf erwarb das Museum zahlreiche Objekte von der sogenannten 2. Freiburger Molukken-Expedition – eine weitere geographisch-zoologisch geprägte Forschungsreise, die fast zeitgleich wie Elbert im östlichen Archipel unterwegs war. Erwin Stresemann, der später zu einem bekannten Ornithologen werden sollte, trug maßgeblich zu dieser Sammlung bei. Auf der Insel Seram sammelte er zahlreiche Alltagsgegenstände und Waffen. Rund zwanzig Jahre später reisten die Frankfurter Ethnologen Adolf E. Jensen und Hermann Niggemeyer begleitet von dem Zeichner Albert Hahn und dem Archäologen Josef Röder im Rahmen der Freobenius-Expedition nach Seram und West-Neuguinea 1937/38 erneut in die Molukken. Dort sammelten sie über 1.000 Objekte, von denen allerdings ein Großteil während des 2. Weltkrieges zerstört wurde. Dies gilt auch für die Aufzeichnungen Hermann Niggemeyers, der sich intensiv mit der materiellen Kultur Serams auseinandergesetzt hatte. Die Seram-Sammlung stellt deshalb ein kontinuierliches Forschungsthema am Weltkulturen Museum dar.

Von besonderer Bedeutung ist auch die Sammlung des Frankfurter Sammlungskustos Ernst Vatters. Die Insulinde-Expedition führte ihn und seine Frau Johanna Vatter 1928/29 auf die kleinen Sunda-Inseln. Von Ost-Flores aus bereiste Vatter die bis dahin kaum bekannten Inseln des Solor-Alor-Archipels und legte eine außergewöhnliche Sammlung von Textilien, Flechtarbeiten, Schmuck und Alltagsgegenständen an. Die Geschichte der Forschungsreise sowie eine Dokumentation der Sammlung wurden 2004 im Buch „Ostindonesien im 20. Jahrhundert“ veröffentlicht.
Hervorzuheben sind außerdem eine Sammlung von altjavanischen Terrakotten und Goldschmuck, die Anfang der 1980er erworben und 1987 erstmals ausgestellt wurden. Seit den 1980ern wurde zudem gezielt zeitgenössische Kunst aus Indonesien, vor allem aus Bali, angekauft. Diese bereits mehrfach ausgestellten Werke zeigen unter anderem wie die Künstler und Künstlerinnen mit Auswirkungen der Moderne wie Tourismus, Globalisierung und Kulturwandel umgehen und darauf mit ihrer Kunst reagieren
Die Südostasien-Sammlung umfasst darüber hinaus noch knapp 800 weitere Objekte aus den Philippinen und Thailand. Es besteht auch eine Asien-Abteilung mit rund 1.600 Objekten aus Nordost-Indien, Nepal, Tibet und Sibirien.
Die kritische Aufarbeitung der Sammlungsgeschichte und die kontinuierliche Aufarbeitung der Ostindonesien-Sammlung stellen zwei Kernaufgaben der Abteilung dar. Darüber hinaus wird an Fragen nach Kontinuität und Wandel lokaler Kulturen im Spannungsfeld zwischen Lokalität, Nationalität und Globalität gearbeitet, insbesondere im Hinblick auf Musik und Popularkultur.