Kompaktkurs „Spurensuche“
Der Kompaktlehrgang „Spurensuche – Archivkunde für die postkoloniale Provenienzforschung“, den das Historische Institut der Universität Gießen zusammen mit dem Deutschen Zentrum Kulturgutverluste veranstaltet, kooperierte in den Jahren 2024 und 2025 mit dem Weltkulturen Museum.
In dem fünftägigen Kurs erhielten Studierende, Archivar:innen, Museumsmitarbeiter:innen und weitere Interessierte eine Einführung in die Grundlagen der Provenienzforschung zu kolonialen Kontexten. Ein Schwerpunkt lag auf der Arbeit mit Archivalien wie Urkunden, Briefen und Akten und der Recherche in Archivdatenbanken. Die besondere Situation im Weltkulturen Museum bot Anlass, über Provenienzforschung mit wenigen erhaltenen Archivdokumenten und über alternative Forschungsmethoden nachzudenken.
Gemeinsam mit den Kursteilnehmenden wurden beispielsweise folgende Fragen diskutiert:
- Wo beginnt die Recherche, wenn es kaum Informationen gibt?
- Welche Recherchemöglichkeiten gibt es abseits von Archiven (z. B. Online-Foren, Vereine zur Familienforschung oder Stadtgeschichte, historische Werbeanzeigen, Todes- und Heiratsanzeigen in Zeitungen, …)?
- Wie kann effektiv mit externen Archiven und anderen Museen zusammengearbeitet werden?
- Was können Objekte selbst über ihre Provenienz erzählen?
- Wie können Vergleichsobjekte und Materialkunde in der Provenienzforschung weiterhelfen?
Zur Veranschaulichung der Arbeit am Haus wurden Fallbeispiele aus den Sammlungen präsentiert, darunter ein während der britischen Strafexpedition nach Benin-City geraubtes Zeremonialschwert, dessen Provenienz 2023 in einem Forschungsprojekt untersucht wurde. Auch weniger spektakuläre Fälle und Recherchegrenzen – also Provenienzrecherchen, die an einem bestimmten Punkt keine weiteren Informationen liefern konnten – wurden vorgestellt und diskutiert. Die Kursteilnehmenden stellten zudem ihre eigenen aktuellen Projekte und Herausforderungen vor und erarbeiteten gemeinsam konkrete Fragestellungen für weitere Recherchen.
