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Die deutschen ethnografischen Expeditionen in den australischen Kimberley. Forschungsgeschichtliche Bedeutung, digitale Repatriierung und gemeinsame Interpretation des indigenen Kulturerbes

Das Forschungsprojekt geht auf eine Initiative der indigenen Wanjina Wunggurr-Gemeinschaft aus Australien zurück. Ziel war die gemeinsame Auswertung zweier deutscher ethnografischer Forschungsreisen in die Kimberley-Region im Nordwesten Australiens: der 1938 vom Institut für Kulturmorphologie (heute Frobenius-Institut) und dem städtischen Völkermuseum (heute Weltkulturen Museum) in Frankfurt durchgeführten „Frobenius-Expedition“ sowie einer 1955 vom Museum für Völkerkunde (heute Museum Fünf Kontinente) in München organisierten Forschungsreise. Beide Reisen wurden von Forschern durchgeführt, die ursprünglich mit dem Frankfurter Ethnologen Leo Frobenius zusammengearbeitet haben, und gehörten zu den ersten ethnografischen Feldforschungen in der Region, die Felsbilder und die dazugehörigen Erzählungen systematisch dokumentierten. Heute sind diese Aufzeichnungen für die indigenen Gemeinschaften von großer Bedeutung, da der australische Siedlerkolonialismus mit erzwungenen Umsiedlungen und Vertreibungen einherging, die den Zugang zu und die Weitergabe von Wissen über das Land und die Felskunst erschwerten.

Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Projekt wurde von der University of Western Australia und dem Frobenius-Institut in Kooperation mit der Wilinggin Aboriginal Corporation, der Dambimangari Aboriginal Corporation und der Wunambal Gaambera Aboriginal Corporation durchgeführt. Kooperationspartner waren außerdem das Weltkulturen Museum, das Mowanjum Art and Culture Centre sowie das Museum Fünf Kontinente.

Im Rahmen des dreijährigen Forschungsprojekts wurde unveröffentlichtes Archivmaterial aus den beteiligten Institutionen in Deutschland – darunter Fotografien, Zeichnungen, Skizzen, Reproduktionen von Felsmalereien sowie persönliche Notizbücher – gemeinsam mit Vertreter:innen der Wanjina Wunggurr-Gemeinschaft aufgearbeitet, übersetzt, digitalisiert und in einer gemeinsam entwickelten Datenbank zugänglich gemacht. Auch die aus der Frobenius-Expedition hervorgegangene Sammlung des Weltkulturen Museums wurde digital erfasst und in die Datenbank integriert.

Die historischen Archiv- und Sammlungsmaterialien betrachteten die Traditional Owners, die traditionellen Eigentümer des Landes, als Ergänzung und Bestätigung ihres überlieferten Wissens. Sie interpretierten die Materialien auf Grundlage ihrer eigenen Wertevorstellungen und kulturellen Protokolle und formulierten daraus Handlungsempfehlungen für den Umgang mit den Sammlungen.

Die Zusammenarbeit umfasste außerdem die Übergabe von Reproduktionen der großformatigen Felsmalereien und Porträts an die Aboriginal Corporations sowie gemeinsame Feldforschungsaufenthalte an den historischen Schauplätzen der Forschungsreisen von 1938 und 1955.

Ein Ergebnis der gemeinsamen Forschungsarbeit war die 2024 im Weltkulturen Museum eröffnete Ausstellung „Country bin pull'em. Ein gemeinsamer Blick zurück“.


Projektbeteiligte:
Martin Porr (Projektleitung, University Western Australia)
Richard Kuba (Projektleitung, Frobenius Institut)
Kim Doohan (Projektmitarbeiterin)
Leah Umbagai (Projektmitarbeiterin, Dambimangari Aboriginal Corporation)
Christina Henneke (Doktorandin Projekt, Frobenius-Institut)
Matthias Claudius Hofmann (Weltkulturen Museum)
Eva Ch. Raabe (Weltkulturen Museum)
Michaela Appel (Museum Fünf Kontinente)

Abschlussbericht zum DFG Projekt