Vortrag & Get Together
Namibisch-Deutsche Entwicklungszusammenarbeit von 1990 bis heute - ein Sonderfall der deutschen EZ aufgrund der besonderen historischen Verantwortung
Mit Christiane Kalle, ehem. Landesdirektorin der GTZ in Namibia
Namibisch-deutsche Entwicklungszusammenarbeit gilt seit der Unabhängigkeit Namibias 1990 als besonderer Fall deutscher Außen- und Entwicklungspolitik. Sie ist eng mit der kolonialen Vergangenheit Deutschlands in „Deutsch-Südwestafrika“ (1884–1915) und insbesondere mit dem Völkermord an Herero und Nama (1904–1908) verknüpft. Diese historische Verantwortung prägt die bilateralen Beziehungen bis heute.
1989 beschloss der Deutsche Bundestag die Aufnahme der Entwicklungszusammenarbeit unter dem Leitgedanken einer „besonderen Verantwortung für Namibia und alle seine Bürger“. Seither zählt Namibia zu den Schwerpunktländern deutscher Entwicklungszusammenarbeit und erhält umfangreiche finanzielle Unterstützung. Zugleich haben symbolische politische Gesten, wie die Bitte um Vergebung durch Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul im Jahr 2004, die Bedeutung von Erinnerung und Versöhnung unterstrichen.
Dennoch bleibt die Zusammenarbeit von Spannungen begleitet: Insbesondere Vertreterinnen und Vertreter der Herero und Nama fordern weiterhin Reparationszahlungen. Entwicklungszusammenarbeit erscheint damit nicht nur als technisches Instrument, sondern als Teil eines fortdauernden postkolonialen Aushandlungsprozesses, in dem Fragen von historischer Schuld, Anerkennung und Gerechtigkeit verhandelt werden.
Wann: 9. Juli 2026, 19 Uhr, anschließend entspannter Austausch bei Snacks und Getränken
Wo: Weltkulturen Museum, Schaumainkai 35, Frankfurt am Main.
Foto:
Bundesministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul, Herero Paramount Chief Riruako (3.v.l., 1935 – 2014) und der damalige deutsche Botschafter Dr. Wolfgang Messing (1.v.r.) und weitere hochrangige Vertreter der Herero Chief David Tuvahi Kambazembi (links), Chief Kajipene Keja (3.v.l.) und Chief Munjuku Nguvauva (2.v.l.) bei der Gedenkfeier 100 Jahre Schlacht am Waterberg im August 2004 vor dem Bildnis von Chief Maherero. Foto: Christiane Kalle
