GESAMMELT. GEKAUFT. GERAUBT? Vom Weg der Dinge ins Museum
Wie kamen Anfang des 20. Jahrhunderts Ahnenfiguren aus Nias auf den europäischen Kunstmarkt? Weshalb konnte das Museum Anfang der 1940er Jahre in Paris und Amsterdam ‚günstige‘ Ankäufe machen? Handelt es sich bei einem Waffengurt aus Südafrika um Kriegsbeute? Das sind nur einige Fragen, die bei der Auseinandersetzung mit der hauseigenen Sammlung im Rahmen Forschungsprojektes von vier Frankfurter Museen aufgekommen sind. Bei vielen Objekten ist der Weg ins Museum unklar und der Erwerbskontext kaum dokumentiert. In dem gemeinsamen Forschungs- und gleichnamigen Ausstellungsprojekt „GESAMMELT. GEKAUFT. GERAUBT?“, das am Weltkulturen Museum Julia Friedel und Vanessa von Gliszczynski geleitet haben, wurden diese Fragen anhand von ausgewählten Fallbeispielen beleuchtet.
Am Weltkulturen Museum flossen dabei zwei Ebenen der Provenienzforschung ineinander: Der Objekterwerb während des Nationalsozialismus und die Sammelpraxis im kolonialen Kontext. In vielen Fällen ist nur schwer zu rekonstruieren, wie Objekte aus Afrika, den Amerikas, Ozeanien oder Südostasien nach Europa und schließlich ab 1904 in die Sammlung des damaligen Völkermuseums kamen. Die Recherche zu Fallbeispielen wurde zudem durch die Tatsache erschwert, dass das Museum sowie das hauseigene Archiv bei einem Bombenangriff während des 2. Weltkrieges im Jahr 1944 weitgehend zerstört wurden. Es konnte jedoch ein erster Austausch mit Institutionen und Privatpersonen in Frankreich, den Niederlanden und Südafrika stattfinden.
„Gesammelt. Gekauft. Geraubt?“ stellte für das Weltkulturen Museum den Auftakt zu einer langfristigen Auseinandersetzung mit der Provenienz der rund 60.000 Sammlungsobjekte dar. Die in der Ausstellung gezeigten Fallbeispiele gaben Einblicke in vielseitige Sammel- und Erwerbspraktiken. Gleichzeitig machten die Objektbiografien deutlich, dass nicht alle Details rekonstruiert werden können. Im Kontext der NS-Zeit beleuchtete die Ausstellung vor allem den Objekterwerb in den Besatzungsgebieten während des 2. Weltkriegs. Im kolonialen Kontext lag der Fokus auf Objekten, die in den ehemaligen deutschen Kolonien gesammelt, bzw. von Deutschen in anderen Kolonien erworben wurden.
Eine Kooperation mit dem Historischen Museum Frankfurt, dem Museum Judengasse, dem Museum Angewandte Kunst und dem Fritz-Bauer-Institut.
