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Provenienzforschung zur „Zweiten Innerafrika Expedition“

Derzeit bereitet das Weltkulturen Museum ein Forschungsprojekt zur Sammlung der „Zweiten Inner-Afrika-Expedition“ (1910/11) vor. Diese Sammlung umfasst mehr als 1.300 Kulturgüter aus Zentralafrika. Darunter befinden sich Alltagsgegenstände wie Körbe, Taschen oder Hocker, aber auch Schmuck, rituelle Objekte sowie Geschenke von Sultanen. Die Stücke kommen vor allem aus dem Gebiet des heutigen Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik und der heutigen Demokratischen Republik Kongo.

Finanziert wurde die „Inner-Afrika-Expedition“ von den Städten Frankfurt, Hamburg und Berlin. Der Gründer des „Städtischen Völkermuseums“ Bernhard Hagen warb unter Frankfurter Bürgern um Geld und Unterstützung. Geleitet wurde die Unternehmung von Herzog August Friedrich zu Mecklenburg (1873-1969), dem späteren Gouverneur von Togo. Während der Kolonialzeit bezeichnete der Begriff „Expedition“ nicht nur wissenschaftliche Forschungsreisen, sondern häufig auch militärische Unternehmungen zur Landeroberung. Diese waren oft mit Gewalt, Plünderungen und der Demonstration kolonialer Macht verbunden. Vieles deutet darauf hin, dass dies auch auf die Expeditionen von Mecklenburgs zutrifft. Die meisten Teilnehmer waren – wie der Herzog selbst – adelige (ehemalige) Militärs, darunter Oberleutnant a. D. Arnold Schulze sowie Walter von Wiese und Kaiserswaldau.

In einem langfristig angelegten Projekt möchte das Weltkulturen Museum die Sammlung umfassend untersuchen und ihre (wissenschafts)historischen Kontexte analysieren. Im Mittelpunkt stehen Fragen nach der Herkunft der Objekte, ihrer lokalen Bedeutung sowie nach der Rolle und Wahrnehmung der Expedition und der beteiligten Akteure in den afrikanischen Ländern. Ebenso sollen die Auswirkungen kolonialer Gewaltkontexte kritisch beleuchtet werden. Ein zentrales Anliegen des Projekts ist der enge Austausch mit Forscher:innen, Institutionen und Communities in Zentralafrika.

Neben Kulturgütern wurden während der „Expedition“ auch naturwissenschaftliche Objekte wie Pflanzen, erlegte Tiere und Gesteinsproben gesammelt sowie zahlreiche Fotografien angefertigt. Diese Materialien befinden sich heute unter anderem im Senckenberg Naturmuseum Frankfurt, im Botanischen Garten Berlin, im MARKK Hamburg (Fotosammlung) und in weiteren Museen. Daher wird das Projekt auch den gezielten Austausch mit verschiedenen deutschen Institutionen suchen.